Ernst Fraenkel (1898–1975) gehört zu den Gründungsfiguren der bundesdeutschen Politikwissenschaft. Seinen Platz in der Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts hat er vor allem als Begründer einer neo-pluralistischen Demokratietheorie gefunden. Diese hat viel Kritik auf sich gezogen und erscheint angesichts der abnehmenden Bindungskraft von politischen Verbänden und Parteien aus guten Gründen als Relikt einer anderen politischen Welt.
Worin also könnte die Aktualität Ernst Fraenkels heute liegen? Der Vortrag richtet den Blick auf andere Facetten seines vielfältigen Werks: Auf seine Theorie des Dual State und das gegenwärtige Trump-Regime in den USA; auf seine Kritik des Vulgärdemokratismus und das Demokratieverständnis der AfD; auf seine Auseinandersetzung mit dem Liberalismus, die sich als als ein Postliberalismus avant la lettre lesen lässt; sowie auf den Zusammenhang von Gerechtigkeitsempfinden und Demokratiestabilität.